Desinfektionsmittel richtig auswählen: RKI, VAH und wichtige DIN-EN-Normen erklärt

Desinfektionsmittel richtig auswählen: RKI, VAH und DIN-EN-Normen erklärt

Desinfektionsmittel richtig auswählen: RKI, VAH und DIN-EN-Normen erklärt

Desinfektionsmittel richtig auswählen bedeutet mehr, als lediglich ein Produkt mit einem möglichst großen Wirkspektrum zu kaufen.

Entscheidend sind der Anwendungsbereich, das benötigte Wirkspektrum, die Konzentration, die Einwirkzeit, die Materialverträglichkeit sowie die geprüfte und deklarierte Anwendung des jeweiligen Produkts.

Für die professionelle Auswahl von Desinfektionsmitteln spielen insbesondere die RKI-Desinfektionsmittelliste, die VAH-Liste sowie verschiedene europäische Prüf- und Wirknormen eine wichtige Rolle.

Zu den wichtigsten Normen gehören:

  • DIN EN 13727 – bakterizide Wirksamkeit im humanmedizinischen Bereich
  • DIN EN 13624 – fungizide und levurozide Wirksamkeit
  • DIN EN 14476 – viruzide Wirksamkeit
  • DIN EN 13697 – bakterizide, levurozide und/oder fungizide Wirksamkeit auf nicht porösen Oberflächen in definierten nichtmedizinischen Bereichen
  • EN 14885 – Zusammenhang und Anwendung europäischer Prüfmethoden

Dieser Fachbeitrag zeigt verständlich, welches Desinfektionsmittel für welchen Einsatzbereich infrage kommt, was RKI und VAH bedeuten und wie die wichtigsten DIN-EN-Normen bei der Produktauswahl einzuordnen sind.

Welches Desinfektionsmittel brauche ich?

Die wichtigste Frage lautet nicht „Welches Desinfektionsmittel ist das beste?“, sondern:

Welches Desinfektionsmittel ist für meinen konkreten Anwendungsfall geeignet?

Denn ein Produkt für die Hände ist nicht automatisch für Oberflächen geeignet. Ein Flächendesinfektionsmittel darf nicht einfach auf der Haut verwendet werden und ein Produkt für die Flächendesinfektion ist nicht automatisch für die Aufbereitung von Medizinprodukten geeignet.

Eine erste Orientierung:

Anwendung Wichtige Kriterien
Händedesinfektion hygienische oder chirurgische Anwendung, Wirkspektrum, Einwirkzeit
Flächendesinfektion Oberfläche, Wirkspektrum, Konzentration, Einwirkzeit, Materialverträglichkeit
Instrumentendesinfektion Medizinprodukt, Aufbereitungsverfahren, Materialverträglichkeit, Wirkspektrum
Viren begrenzt viruzid, begrenzt viruzid PLUS oder viruzid
Bakterien bakterizide Wirksamkeit
Hefen levurozide Wirksamkeit
Pilze fungizide Wirksamkeit
Sporen erforderliche sporizide Wirksamkeit
Routinehygiene geeignete VAH-zertifizierte Produkte als wichtige Orientierung
Behördlich angeordnete Desinfektion RKI-Liste und geltende gesetzliche Vorgaben beachten

Die konkrete Auswahl muss immer anhand der aktuellen Herstellerangaben und des vorgesehenen Anwendungszwecks erfolgen.

Was ist ein Desinfektionsmittel?

Desinfektionsmittel werden eingesetzt, um Mikroorganismen unter definierten Bedingungen gezielt zu reduzieren beziehungsweise zu inaktivieren.

Dabei muss zwischen Reinigung und Desinfektion unterschieden werden.

Reinigung

Bei der Reinigung werden Verschmutzungen, Rückstände und organisches Material entfernt.

Desinfektion

Bei der Desinfektion wird die Zahl beziehungsweise Aktivität von Mikroorganismen gezielt reduziert.

Eine Oberfläche kann deshalb sauber aussehen und trotzdem mikrobiologisch belastet sein. Umgekehrt kann starke Verschmutzung die Wirksamkeit eines Desinfektionsverfahrens beeinträchtigen.

Deshalb müssen Reinigung und Desinfektion entsprechend dem jeweiligen Anwendungsbereich und Hygieneplan aufeinander abgestimmt werden.

RKI und VAH – was ist der Unterschied?

RKI und VAH werden bei der Auswahl von Desinfektionsmitteln häufig gemeinsam genannt, sind aber nicht dasselbe.

Die beiden Systeme haben unterschiedliche Funktionen und sollten deshalb nicht miteinander gleichgesetzt werden.

RKI-Desinfektionsmittelliste

Das Robert Koch-Institut veröffentlicht die Liste der geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren.

Die aktuelle Veröffentlichung ist die 19. Ausgabe mit Stand 31.03.2026. Sie bezieht sich auf Desinfektionsmaßnahmen gemäß § 18 Infektionsschutzgesetz.

Die aktuelle RKI-Liste umfasst unter anderem:

Die RKI-Liste ist insbesondere im Zusammenhang mit behördlich angeordneten Desinfektionsmaßnahmen relevant.

Zur aktuellen RKI-Desinfektionsmittelliste

VAH-Liste für die Routinehygiene

Die VAH-Liste ist eine zentrale Referenz für die Auswahl zertifizierter Desinfektionsmittel für die routinemäßige und prophylaktische Desinfektion.

Der VAH beschreibt seine Liste als Standardreferenz für die Desinfektion im Routinebetrieb in medizinischen und nichtmedizinischen Einrichtungen. Die Online-Datenbank kann unter anderem nach Anwendungsbereich, Wirkspektrum, Erreger, Einwirkzeit und Anwendungsart durchsucht werden.

Zur VAH-Liste

Wichtig

Ein VAH-zertifiziertes Produkt ist nicht automatisch RKI-gelistet.

Umgekehrt sollte die RKI-Liste nicht pauschal als allgemeine Einkaufsliste für sämtliche Routine-Desinfektionen verstanden werden.

Die Entscheidung richtet sich immer nach dem konkreten Anwendungsfall.

DIN EN 13727 – bakterizide Wirksamkeit

Die DIN EN 13727 beschreibt ein Prüfverfahren und Anforderungen zur Bestimmung der bakteriziden Wirksamkeit chemischer Desinfektionsmittel und Antiseptika im humanmedizinischen Bereich.

Sie ist insbesondere relevant, wenn die Wirksamkeit gegen Bakterien beurteilt werden soll.

Bakterizid bedeutet:

Ein Produkt weist unter den geprüften Bedingungen eine entsprechende Wirksamkeit gegen Bakterien auf.

Wichtig ist jedoch:

DIN EN 13727 bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt viruzid, fungizid oder für jede Anwendung geeignet ist.

Eine einzelne Normnummer darf deshalb niemals isoliert betrachtet werden.

DIN EN 13624 – fungizid und levurozid

Die DIN EN 13624 betrifft Prüfverfahren und Anforderungen zur Bestimmung der fungiziden beziehungsweise levuroziden Wirksamkeit chemischer Desinfektionsmittel und Antiseptika.

Dabei muss zwischen zwei Begriffen unterschieden werden:

Levurozid

Wirksamkeit gegen Hefen.

Fungizid

Wirksamkeit gegen Pilze.

Welche Wirksamkeit tatsächlich für ein Produkt ausgewiesen ist, ergibt sich aus den jeweiligen Herstellerangaben und Prüfungen.

DIN EN 14476 – viruzide Wirksamkeit

Wenn ein Desinfektionsmittel gegen Viren eingesetzt werden soll, ist die DIN EN 14476 eine wichtige Prüfgrundlage.

Die aktuelle deutsche Ausgabe ist DIN EN 14476:2025-11.

Sie beschreibt ein Prüfverfahren zur Bestimmung der viruziden Wirkung chemischer Desinfektionsmittel und Antiseptika im humanmedizinischen Bereich.

Begrenzte und vollständige viruzide Wirksamkeit

Bei der Produktauswahl begegnen insbesondere folgende Begriffe:

Begrenzt viruzid

Wirksamkeit gegen behüllte Viren.

Begrenzt viruzid PLUS

Erweitertes Wirkspektrum gegenüber bestimmten zusätzlichen unbehüllten Viren.

Viruzid

Wirkspektrum gegen behüllte und unbehüllte Viren entsprechend der jeweiligen geprüften Anwendung.

Welches Wirkspektrum benötigt wird, hängt vom konkreten Einsatz und den zu erwartenden Erregern ab.

DIN EN 13697 – Desinfektion nicht poröser Oberflächen

Die DIN EN 13697 beschreibt Prüfverfahren für die bakterizide, levurozide und/oder fungizide Wirksamkeit chemischer Desinfektionsmittel auf nicht porösen Oberflächen in den von der Norm definierten nichtmedizinischen Anwendungsbereichen.

Damit ist diese Norm beispielsweise bei bestimmten Anwendungen in folgenden Bereichen relevant:

  • Lebensmittelbereich
  • Industrie
  • Haushalt
  • öffentliche Einrichtungen

Die Norm darf jedoch nicht pauschal mit medizinischer Flächendesinfektion gleichgesetzt werden.

Warum eine Normnummer allein nicht ausreicht

Ein häufiger Fehler bei der Produktauswahl ist die Annahme:

„Das Produkt erfüllt DIN EN 13727, also ist es für alles geeignet.“

Das ist falsch.

Eine bakterizide Prüfung nach DIN EN 13727 bedeutet nicht automatisch:

  • viruzide Wirksamkeit
  • fungizide Wirksamkeit
  • Eignung für Hände
  • Eignung für Instrumente
  • Eignung für jede Oberfläche
  • Eignung für jeden Anwendungsbereich

Deshalb sollte immer das gesamte Produktprofil betrachtet werden.

Einwirkzeit und Konzentration

Die Wirksamkeit eines Desinfektionsmittels hängt nicht nur vom Wirkstoff ab.

Entscheidend können unter anderem sein:

  • Konzentration
  • Einwirkzeit
  • Temperatur
  • Verschmutzungsgrad
  • Anwendungsart
  • Belastungssituation
  • vollständige Benetzung

Konzentration

Bei Konzentraten muss die vom Hersteller vorgeschriebene Verdünnung eingehalten werden.

Eine zu geringe Konzentration kann die Wirksamkeit beeinträchtigen.

Eine unnötig hohe Konzentration bedeutet dagegen nicht automatisch eine bessere Desinfektionsleistung.

Einwirkzeit

Die erforderliche Einwirkzeit hängt vom Produkt, Wirkspektrum und Anwendungsbereich ab.

Das Produkt darf nicht einfach vor Ablauf der vorgeschriebenen Einwirkzeit entfernt werden, wenn dadurch die geprüfte Wirksamkeit nicht erreicht wird.

Flächendesinfektion – Wischen statt nur Sprühen

Bei der professionellen Flächendesinfektion ist die konkrete Anwendungsmethode entscheidend.

Je nach Produkt und Anwendungsbereich können unterschiedliche Verfahren vorgesehen sein:

  • Wischdesinfektion
  • Sprühdesinfektion
  • Tauchdesinfektion
  • andere vom Hersteller vorgesehene Verfahren

Bei der Flächendesinfektion sollten insbesondere folgende Punkte berücksichtigt werden:

  • Oberfläche vollständig benetzen
  • vorgeschriebene Konzentration verwenden
  • Einwirkzeit einhalten
  • Materialverträglichkeit prüfen
  • Herstellerangaben beachten
  • vorgesehene Anwendungsmethode einhalten

Das RKI weist ebenfalls darauf hin, dass die Verträglichkeit des Desinfektionsmittels mit dem zu desinfizierenden Objekt berücksichtigt werden muss.


Händedesinfektion

Die Händedesinfektion ist ein eigener Anwendungsbereich und darf nicht mit der Flächendesinfektion gleichgesetzt werden.

Je nach Situation kann zwischen:

  • hygienischer Händedesinfektion
  • chirurgischer Händedesinfektion

unterschieden werden.

Wichtig sind dabei das erforderliche Wirkspektrum, die geprüfte Anwendung und die vom Hersteller vorgegebene Einwirkzeit.

Ein Flächendesinfektionsmittel darf nicht einfach auf den Händen angewendet werden, wenn es nicht ausdrücklich dafür vorgesehen ist.


Instrumentendesinfektion

Für die Instrumentendesinfektion gelten besondere Anforderungen.

Bei der Auswahl sollten unter anderem berücksichtigt werden:

  • Art des Medizinprodukts
  • Aufbereitungsverfahren
  • Materialverträglichkeit
  • benötigtes Wirkspektrum
  • Konzentration
  • Einwirkzeit
  • Herstellerangaben des Medizinprodukts
  • Herstellerangaben des Desinfektionsmittels

Ein Desinfektionsmittel für Oberflächen ist daher nicht automatisch für die Instrumentenaufbereitung geeignet.

Hautantiseptik ist nicht dasselbe wie Flächendesinfektion

Ein weiterer wichtiger Unterschied betrifft die Anwendung auf lebendem Gewebe.

Hautantiseptika sind für die Anwendung auf Haut beziehungsweise Gewebe vorgesehen und unterliegen anderen Anforderungen als Produkte zur Oberflächendesinfektion.

Deshalb gilt:

Flächendesinfektionsmittel nicht auf Haut oder Händen anwenden, sofern das Produkt nicht ausdrücklich dafür vorgesehen ist.

Desinfektionsmittel für Arztpraxis, Klinik und Pflege

In medizinischen Einrichtungen können unterschiedliche Produktgruppen benötigt werden:

Für die Routinehygiene kann die VAH-Liste eine wichtige Orientierung bei der Auswahl zertifizierter Produkte bieten.

Besonders wichtig sind einheitliche Arbeitsanweisungen, dokumentierte Hygieneprozesse und die Einhaltung der jeweiligen Herstellerangaben.

Desinfektionsmittel für Rettungsdienst und Feuerwehr

Auch im Rettungsdienst und bei Feuerwehren müssen Desinfektionsmittel passend zum jeweiligen Einsatzbereich ausgewählt werden.

Relevant können beispielsweise sein:

Bei mobilen Einsatzmitteln spielen zusätzlich eine einfache Anwendung, kurze beziehungsweise passende Einwirkzeiten und die Materialverträglichkeit eine wichtige Rolle.

Desinfektionsmittel für Unternehmen und Betriebe

Desinfektionsmittel werden nicht nur in Krankenhäusern eingesetzt.

Weitere Anwendungsbereiche sind beispielsweise:

  • Industrie
  • Produktion
  • Handwerk
  • Lebensmittelbetriebe
  • Gastronomie
  • Schulen
  • Kindergärten
  • Pflegeeinrichtungen
  • Labore
  • öffentliche Einrichtungen
  • Rettungsdienste
  • Feuerwehren

Die Produktauswahl sollte dabei immer auf die konkrete hygienische Aufgabe abgestimmt werden.

Ein möglichst günstiges Produkt ist nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung.

Entscheidend sind vielmehr:

Wirksamkeit + Einwirkzeit + Konzentration + Verbrauch + Materialverträglichkeit + Anwendungssicherheit.

Desinfektionsmittel für Lebensmittelbereiche

Im Lebensmittelbereich müssen zusätzlich die dort geltenden hygienischen Anforderungen berücksichtigt werden.

Hier spielen unter anderem eine geeignete Anwendung, die korrekte Dosierung, Einwirkzeit und gegebenenfalls die Anforderungen an nachfolgende Arbeitsschritte eine Rolle.

Ein Produkt sollte deshalb nicht allein aufgrund der Aussage „für Lebensmittelbereiche geeignet“ ausgewählt werden. Entscheidend sind die konkreten Herstellerangaben und die für den jeweiligen Einsatz vorgesehenen Prüfungen.

Gebrauchsfertige Desinfektionsmittel oder Konzentrate?

Bei Medasi finden sich unterschiedliche Produktformen.

Dazu gehören beispielsweise:

Die Flächendesinfektion umfasst unter anderem gebrauchsfertige Lösungen, vorgetränkte Tücher und Konzentrate.

Für größere Verbrauchsmengen können Konzentrate wirtschaftliche Vorteile bieten.

Gebrauchsfertige Produkte sind dagegen besonders einfach und schnell anzuwenden.

Desinfektionstücher für die schnelle Flächendesinfektion

Vorgetränkte Desinfektionstücher können bei häufig zu desinfizierenden Oberflächen eine praktische Lösung sein.

Sie eignen sich je nach Produkt beispielsweise für:

  • Arbeitsflächen
  • medizinische Geräte
  • Behandlungseinrichtungen
  • Rettungsdienst
  • Praxisbereiche
  • häufig berührte Oberflächen

Entscheidend bleiben auch bei Tüchern:

  • geeignetes Wirkspektrum
  • Einwirkzeit
  • vollständige Benetzung
  • Materialverträglichkeit
  • vorgesehener Anwendungsbereich

Materialverträglichkeit nicht unterschätzen

Ein Desinfektionsmittel kann mikrobiologisch wirksam sein und gleichzeitig bestimmte Materialien angreifen.

Besonders zu beachten sind beispielsweise:

  • Kunststoffe
  • Edelstahl
  • Aluminium
  • lackierte Oberflächen
  • Gummi
  • Beschichtungen
  • empfindliche Medizinprodukte
  • elektronische Geräte

Deshalb sollte vor der Anwendung immer geprüft werden, ob das Produkt für das jeweilige Material vorgesehen ist.

So wählen Sie das richtige Desinfektionsmittel aus

Eine professionelle Produktauswahl kann in sechs Schritten erfolgen.

1. Anwendungsbereich bestimmen

Soll das Produkt für:

  • Hände
  • Haut
  • Flächen
  • Instrumente
  • Medizinprodukte
  • Wäsche

oder einen anderen Bereich eingesetzt werden?

2. Wirkspektrum bestimmen

Welche Mikroorganismen müssen erfasst werden?

Zum Beispiel:

  • bakterizid
  • levurozid
  • fungizid
  • begrenzt viruzid
  • begrenzt viruzid PLUS
  • viruzid
  • mykobakterizid
  • sporizid

3. Prüfung und Zertifizierung berücksichtigen

Je nach Einsatzbereich können beispielsweise relevant sein:

  • VAH-Zertifizierung
  • RKI-Listung
  • DIN-EN-Prüfungen
  • Herstellerangaben

4. Konzentration und Einwirkzeit prüfen

Nicht nur die Normnummer, sondern die konkrete Konzentration-Zeit-Relation ist entscheidend.

5. Materialverträglichkeit prüfen

Ist das Produkt für die vorgesehene Oberfläche beziehungsweise das Medizinprodukt geeignet?

6. Kennzeichnung und Sicherheit beachten

Vor der Anwendung sind Produktetikett, Gebrauchsanweisung und Sicherheitsinformationen zu beachten.

Häufige Fehler bei der Desinfektionsmittelauswahl

Fehler 1: Zu kurze Einwirkzeit

Das Produkt wird bereits entfernt, bevor die vorgeschriebene Einwirkzeit erreicht wurde.

Fehler 2: Falsche Konzentration

Ein Konzentrat wird falsch verdünnt.

Fehler 3: Falsches Wirkspektrum

Ein bakterizides Produkt wird eingesetzt, obwohl beispielsweise eine viruzide Wirksamkeit erforderlich ist.

Fehler 4: Falscher Anwendungsbereich

Ein Produkt wird auf einer Oberfläche oder einem Medizinprodukt verwendet, für das es nicht vorgesehen ist.

Fehler 5: Reinigung und Desinfektion werden verwechselt

Eine gereinigte Oberfläche ist nicht automatisch ausreichend desinfiziert.

Fehler 6: Normnummer wird mit Zulassung gleichgesetzt

Eine Prüfung nach einer DIN-EN-Norm bedeutet nicht automatisch, dass das Produkt für jeden Einsatzbereich geeignet ist.

Hygieneplan und Gefährdungsbeurteilung

Die Auswahl von Desinfektionsmitteln sollte in professionellen Betrieben nicht isoliert betrachtet werden.

Sie sollte in das jeweilige Hygienekonzept und die betrieblichen Abläufe eingebunden werden.

Je nach Betrieb können unter anderem relevant sein:

  • Hygieneplan
  • Reinigungsplan
  • Desinfektionsplan
  • Arbeitsanweisungen
  • Unterweisungen
  • Gefährdungsbeurteilung
  • Sicherheitsdatenblätter
  • Herstellerangaben

Weitere Informationen zur Gefährdungsbeurteilung finden Sie ebenfalls bei Medasi.

Desinfektionsmittel bei Medasi auswählen

Bei Medasi finden professionelle Anwender Produkte für unterschiedliche Bereiche der Hygiene und Desinfektion.

Das Sortiment umfasst unter anderem:

Für Unternehmen, medizinische Einrichtungen, Rettungsdienste, Feuerwehren, Pflegeeinrichtungen und öffentliche Einrichtungen können unterschiedliche Produktanforderungen bestehen.

Die Auswahl sollte deshalb immer auf den konkreten Einsatzfall abgestimmt werden.

Desinfektionsmittel kaufen – worauf sollten Unternehmen achten?

Wer Desinfektionsmittel kaufen möchte, sollte nicht ausschließlich nach Preis oder Gebindegröße entscheiden.

Wichtige Kriterien sind:

  • Anwendungsbereich
  • Wirkspektrum
  • Konzentration
  • Einwirkzeit
  • Materialverträglichkeit
  • Anwendungsmethode
  • Herstellerangaben
  • VAH-Zertifizierung, sofern relevant
  • RKI-Listung, sofern für den konkreten Anwendungsfall relevant
  • DIN-EN-Prüfungen
  • Sicherheits- und Anwendungshinweise

Bei Medasi können professionelle Anwender passende Produkte für unterschiedliche Hygieneanforderungen finden.


Welche Norm brauche ich für welchen Zweck?

Bereich Orientierung
Bakterizide Wirksamkeit, Humanmedizin DIN EN 13727
Fungizide / levurozide Wirksamkeit, Humanmedizin DIN EN 13624
Viruzide Wirksamkeit, Humanmedizin DIN EN 14476
Nicht poröse Oberflächen in definierten nichtmedizinischen Bereichen DIN EN 13697
Routine- und prophylaktische Desinfektion VAH-Liste
Behördlich angeordnete Desinfektionsmaßnahmen RKI-Liste gemäß den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben

Die Tabelle ist eine Orientierung und ersetzt nicht die Prüfung des konkreten Produkts und der jeweiligen Herstellerangaben.

FAQ: Desinfektionsmittel, RKI, VAH und DIN EN

Was bedeutet VAH-gelistet?

VAH-gelistet beziehungsweise VAH-zertifiziert bedeutet, dass das entsprechende Produkt im Rahmen des VAH-Zertifizierungssystems geprüft wurde und mit gültigem Zertifikat in der VAH-Liste geführt wird. Die VAH-Liste ist eine wichtige Referenz für die routinemäßige und prophylaktische Desinfektion.

Ist ein VAH-gelistetes Desinfektionsmittel automatisch RKI-gelistet?

Nein. RKI und VAH haben unterschiedliche Funktionen und Aufnahmeverfahren.

Was bedeutet RKI-gelistet?

Die RKI-Desinfektionsmittelliste enthält geprüfte und anerkannte Desinfektionsmittel und -verfahren für die dort vorgesehenen Anwendungsbereiche. Die aktuelle Ausgabe ist die 19. Ausgabe mit Stand 31.03.2026.

Was bedeutet bakterizid?

Bakterizid bezeichnet eine geprüfte Wirksamkeit gegen Bakterien unter den jeweiligen Prüfbedingungen.

Was bedeutet levurozid?

Levurozid bezeichnet eine Wirksamkeit gegen Hefen.

Was bedeutet fungizid?

Fungizid bezeichnet eine Wirksamkeit gegen Pilze.

Was bedeutet begrenzt viruzid?

Begrenzt viruzid bezeichnet ein definiertes Wirkspektrum gegen behüllte Viren.

Was bedeutet begrenzt viruzid PLUS?

Begrenzt viruzid PLUS bezeichnet ein erweitertes Wirkspektrum gegenüber bestimmten zusätzlichen unbehüllten Viren.

Was bedeutet viruzid?

Viruzid bezeichnet ein Wirkspektrum gegen behüllte und unbehüllte Viren entsprechend der jeweiligen Prüfung und Produktdeklaration.

Wie lange muss Desinfektionsmittel einwirken?

Die Einwirkzeit hängt vom Produkt, Wirkspektrum, Anwendungsbereich und der Konzentration ab. Maßgeblich sind die aktuellen Herstellerangaben für die konkrete Anwendung.

Ist eine höhere Konzentration immer besser?

Nein. Die vorgeschriebene Konzentration und Einwirkzeit müssen entsprechend der geprüften Anwendung eingehalten werden.

Kann Flächendesinfektionsmittel für die Hände verwendet werden?

Nein, sofern das Produkt nicht ausdrücklich für die Anwendung auf Händen vorgesehen ist.

Kann Händedesinfektionsmittel für Flächen verwendet werden?

Nicht automatisch. Hände und Oberflächen sind unterschiedliche Anwendungsbereiche mit unterschiedlichen Anforderungen.

Ist Reinigung dasselbe wie Desinfektion?

Nein. Reinigung dient insbesondere der Entfernung von Verschmutzungen und Rückständen. Desinfektion dient der gezielten Reduktion von Mikroorganismen.

Warum ist die Materialverträglichkeit wichtig?

Ein Desinfektionsmittel kann wirksam gegen Mikroorganismen sein und gleichzeitig bestimmte Materialien beschädigen. Deshalb müssen die Herstellerangaben beachtet werden.

Was ist der Unterschied zwischen DIN EN 13727 und DIN EN 14476?

DIN EN 13727 bezieht sich auf die bakterizide Wirksamkeit im humanmedizinischen Bereich. DIN EN 14476 behandelt die viruzide Wirksamkeit chemischer Desinfektionsmittel und Antiseptika im humanmedizinischen Bereich.

Was ist der Unterschied zwischen DIN EN 13624 und DIN EN 13697?

DIN EN 13624 betrifft unter anderem fungizide beziehungsweise levurozide Wirksamkeit im humanmedizinischen Bereich. DIN EN 13697 behandelt unter anderem bakterizide, levurozide und fungizide Wirksamkeit auf nicht porösen Oberflächen in definierten nichtmedizinischen Bereichen.

Wo kann ich prüfen, ob ein Desinfektionsmittel VAH-zertifiziert ist?

Der VAH stellt hierfür eine kostenfreie Online-Datenbank mit Such- und Filterfunktionen bereit.

Wo finde ich die aktuelle RKI-Desinfektionsmittelliste?

Die aktuelle RKI-Liste wird vom Robert Koch-Institut veröffentlicht. Die derzeitige Ausgabe ist die 19. Ausgabe mit Stand 31.03.2026.

Welches Desinfektionsmittel ist für eine Arztpraxis geeignet?

Das hängt vom Anwendungsbereich ab. Für Hände, Flächen und Instrumente werden unterschiedliche Produkte benötigt. Für die Routinehygiene kann die VAH-Liste eine wichtige Orientierung bieten.

Welches Desinfektionsmittel ist für den Rettungsdienst geeignet?

Je nach Einsatz können Händedesinfektion, Flächendesinfektion, Instrumentendesinfektion und mobile Desinfektionstücher erforderlich sein. Entscheidend sind das benötigte Wirkspektrum, die Einwirkzeit und die Materialverträglichkeit.

Welches Desinfektionsmittel ist für Unternehmen geeignet?

Das hängt von der Branche und dem konkreten Hygienerisiko ab. In Betrieben können beispielsweise Händedesinfektion, Flächendesinfektion, Desinfektionstücher oder Konzentrate eingesetzt werden.

Wo kann ich professionelle Desinfektionsmittel kaufen?

Bei medasi.shop finden Unternehmen, Praxen, Pflegeeinrichtungen, Rettungsdienste, Feuerwehren und weitere professionelle Anwender verschiedene Produkte für Reinigung und Desinfektion.

Fazit: Das richtige Desinfektionsmittel ist eine Frage des Einsatzes

Das beste Desinfektionsmittel ist nicht automatisch das Produkt mit den meisten Normnummern oder dem größten Wirkspektrum.

Entscheidend ist, ob das Produkt für den konkreten Anwendungsbereich geeignet ist und die erforderliche Wirksamkeit unter den vorgesehenen Bedingungen nachweist.

Die wichtigsten Orientierungspunkte sind:

RKI
→ insbesondere relevant für die vom RKI geprüften und anerkannten Mittel und Verfahren gemäß den entsprechenden gesetzlichen Vorgaben.

VAH
→ wichtige Referenz für zertifizierte Desinfektionsmittel zur routinemäßigen und prophylaktischen Desinfektion.

DIN EN 13727
→ bakterizide Wirksamkeit im humanmedizinischen Bereich.

DIN EN 13624
→ fungizide und levurozide Wirksamkeit im humanmedizinischen Bereich.

DIN EN 14476
→ viruzide Wirksamkeit im humanmedizinischen Bereich.

DIN EN 13697
→ bakterizide, levurozide und/oder fungizide Wirksamkeit auf nicht porösen Oberflächen in den von der Norm definierten nichtmedizinischen Bereichen.

Deshalb gilt:

Anwendungsbereich → benötigtes Wirkspektrum → geprüfte Wirksamkeit → Konzentration → Einwirkzeit → Materialverträglichkeit → Herstellerangaben.

Wer Desinfektionsmittel für einen professionellen Einsatz auswählt, sollte diese Kriterien gemeinsam betrachten und nicht nur auf einzelne Normnummern oder Werbeaussagen achten.

Fachliche Quellen

Stand: August 2026

Dieser Fachbeitrag dient der allgemeinen Information. Für die konkrete Anwendung sind immer die aktuellen Herstellerangaben, einrichtungsbezogenen Hygienepläne sowie die jeweils geltenden gesetzlichen, behördlichen und fachlichen Vorgaben maßgeblich.

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